23. Tag (Donnerstag, 22.04.2010) 6. Verl.-Tag San Francisco – Virginia City (Durch Eis und Schnee)
Bei strahlendem Sonnenschein durchfahren wir die bekannte Lombardstreet und genießen die Steilheit der engen Kurven, den fantastischen Ausblick auf die San Francisco Bucht und die Silhouette der Stadt selbst, die sich vor uns auftut. Am Ende der Lombardstreet mitten im Zentrum San Franciscos kommen wir an einer großen katholischen Kirche vorbei, die sich uns aber erst offenbart, als wir direkt vor dem Eingangsportal stehen. Links und rechts von der Kirche sind normale Häuser und auch die Außenmauern der Kirche sehen nicht wie eine Kirche aus. Im Inneren ist sie eindrucksvoll eingerichtet. Die Einrichtung erweckt den Anschein, als ob man sich in einem mehrere hundert Jahre altem Dom befindet. Die Kirche ist aber unserer Einschätzung nach höchstens 30 Jahre alt (insgesamt kann sie nicht älter als 100 Jahre sein, da ja San Francisco beim großen Erdbeben in 1906 völlig zerstört wurde).
Wir fahren weiter in Richtung Sacramento und müssen dabei den Weg über die zweistöckige Bay Bridge nehmen. Diese Brücke verbindet San Francisco mit Oakland und der hier befindlichen bekannten Berkely Universität. Die Brücke wird fünfspurig befahren. Von San Francisco nach Oakland nutzt man die untere, zurück ginge es dann über die obere Etage der Brücke. Von der Brücke aus werfen wir noch einen Blick auf die ehemalige Gefängnisinsel Alcatraz und die weiter im Hintergrund befindliche Golden Gate Bridge. Nach nur wenigen Meilen führt uns die Straße in immer höhere Regionen. Die Landschaft wird zunächst sanft hügelig, ist mit Bäumen bestanden, um dann felsig anzusteigen. Sacramento ist etwa 50 Meilen entfernt und die erste größere Stadt nach San Francisco und Oakland/Berkely. Hier sehen wir plötzlich wieder Schnee an den Straßenrändern. Wir denken noch, dass das wirklich nur die Reste des Winters sein können, denn es ist einigermaßen warm (das merken wir an einer Tankstelle). Allerdings geht es nach Sacramento weiter in Richtung Reno immer steiler bergauf. Wir passieren Auburn und fahren dann über den 2.206 Meter hohen Donner Summit (Donner Pass). Die Landschaft ist wieder einmal grandios. Dichte Nadelwälder wechseln sich mit karger Felslandschaft ab und es liegt überall Schnee. Die Straßen sind jedoch geräumt. Allerdings lesen wir aber alle paar Meter weit auf Schildern am Straßenrand den Hinweis, nur in extra dafür angelegten weiträumigen Straßenbuchten die Schneeketten anzulegen („stop for installation of chains“) oder sie anlegen zu müssen, wenn spezielle Lampen am Straßenrand aufleuchten ( „when ligths flash use chains“). Nicht gerade vertrauenswürdig. Da wir nicht zurück können, fahren wir weiter und genießen die Landschaft und unser warmes Auto. Kaum zu glauben: vor 5 Jahren sind wir die gleiche Strecke mit dem Motorrädern gefahren und es war warm und trocken.
Schließlich kommen wir nach Reno, der Hauptstadt des Bundesstaates Nevada. Die Stadt liegt immer noch ca. 1.600 Meter hoch. Die Berge der umliegenden Sierra Nevada sind schneebedeckt. Wir kennen sie nur dem Anschein nach als staubtrockene „Dörnberge“ (in Anlehnung an unseren Dörnberg, der vom Bewuchs und der Topographie her fast genauso aussieht). Reno ist neben Las Vegas eine große Spielerstadt. Während sich in Las Vegas mehr die kleinen Gambler tummeln und der Fokus inzwischen mehr auf Events und Familienurlaub liegt, geht es in Reno nur um die großen Summen (vor allem um die großen Summen, die verspielt werden). Die Casino sind nüchtern gestaltet, sehen aus wie normale Hotels in jeder x-beliebigen Stadt (keine Themenhotels) und es gibt kaum irgendeine andere Unterhaltung als das Spielen. Das Wetter ist ungemütlich, es ist diesig und regnet leicht. Wir wollten sowieso nicht in Reno bleiben und fahren deshalb weiter in das nur 20 Meilen entfernte Virginia City. Virginia City ist die Stadt, in der Ben Cartwright und seine Söhne Adam, Hoss und Little Joe ihre Händel ausgetragen und eingekauft haben, als sie noch gemeinsam die Ponderosa bewirtschafteten. Virginia City ist aber auch eine sogenannte „Historical Landmark“, auf die die Amerikaner besonders stolz sind. Hier wurde bis ins 20. Jahrhundert hinein (etwa bis 1910) Silber geschürft. Zahlreiche Minen und Tagebaustätten im Ort zeugen noch heute davon. Weltweit berühmt geworden ist Virginia City jedoch durch die Serie „Bonanza“ und davon lebt die Stadt noch heute. Es gibt den Bonanza-Saloon und an jeder Ecke stehen die Cartwrights herum. Die Hauptstraße gleicht einer Wild-West-Stadt (ähnlich wie in Tombstone, nur in Tombstone ist es der ganze Ort). Virginia City liegt um einiges höher als Reno (so um die 1.900 Meter) und es schneit. Jetzt sind wir im Winter angekommen, von Frühling keine Spur. Eine Lady im einzigen Market des Ortes erzählt uns, dass es dieses Wetter bereits seit September 2009 hier gibt und sie davon gestrichen die Nase voll hätte. Niemand käme bei diesem Wetter nach Virginia City und die, die kämen, haut gleich wieder ab. Wir stimmen ihr zu, denn fast kein Geschäft hat geöffnet. Jedenfalls kein Geschäft mit den hübschen Wild-West-Sachen, nur die inzwischen auch hier vertretenen Einarmigen-Banditen-Buden sind geöffnet. Wir können nicht widerstehen und versuchen es noch einmal. Im „Silver-Dollar-Saloon“ setzen wir zusammen $ 10 ein und gehen an den 25-Cent-Automaten. Zunächst läuft es ganz gut, beide gewinnen. Aber nach 5 Minuten ist der eine pleite mit seinen $ 5,00 und der andere hat noch ein paar Cent im Automaten stecken. Wir lassen uns den verbleibenden Einsatz auszahlen und erhalten vom Automaten einen entsprechenden Gutschein (wir haben ja inzwischen Ahnung und wissen, wie sich der Profispieler verhält). Den Gutschein stecken wir in eine andere Maschine und gewinnen tatsächlich. 10 Minuten später sind wir total pleite; kein Gutschein mehr und keine $ 10 mehr. Nun lockt uns plötzlich der 10 Millionen Dollar Jackpot, den man auch hier knacken kann. Zwei Automaten versprechen unendlichen Reichtum. Wir legen wieder zusammen und wollen uns den Jackpot brüderlich teilen. Jeder steckt je einen Dollar in den Automaten, lässt sich den Betrag als Gutschein wieder ausdrucken (der Automat lässt dann ein Klimpergeräusch von sich hören und die anderen denken, man hätte sonst etwas gewonnen, hähä) und steckt den Gutschein dann in den anderen Automaten und spielt. Aber selbst diese äußerst profihafte und coole Vorgehensweise zeitigt nicht den eigentlich wie selbstverständlich zu erwartenden Erfolg. Der Kasten muxt nicht einmal vor sich hin und verlangt nur einfach weiteres Geld. Wir beschließen daraufhin unsere Spielerkarriere hier und heute zu beenden und trinken an der Bar ein Bier für $ 4,00 aus dem Plastikbecher.
Schließlich fahren wir durch das verschneite Virginia City in unser Hotel, das „Gold Hill Hotel“ und essen im hoteleigenen „Crown Point Restaurant“ ein saftiges Steak mit Kartoffel-Gratin, grünem Spargel und Gemüse sowie einer Brokkoli-Käse-Suppe vorweg. Das Gold Hill Hotel (es müsste eigentlich „Silver Hill Hotel“ heißen, den Gold wurde hier nie geschürft) besteht bereits seit 1859 und ist das älteste Hotel am Platze. Tatsächlich würde sich niemand wundern, wenn plötzlich irgendwelche Cowboys oder Westernhelden hier hereinspaziert kämen und ihr Steak verputzen und ihren Whisky trinken würden. Alles von der äußeren Fassade bis zur Inneneinrichtung sieht wirklich aus wie vermutlich auch 1859. Einfach toll. Wir haben Glück, dass wir das letzte Zimmer bekommen, denn der Schuppen ist aufgrund einer morgen sattfindenden Motorrad-Cross-Veranstaltung ausgebucht. Wir hoffen, dass wir bis morgen früh nicht eingeschneit sind. Aber Gott sei Dank geht es von Virginia City aus zunächst einmal nur bergab.