24. Tag (Freitag, 23.04.2010) 7. Verl.-Tag Virginia City – Mono Lake – Bishop

24. Tag (Freitag, 23.04.2010) 7. Verl.-Tag  Virginia City – Mono Lake – Bishop

Die Sonne strahlt vom blauen Himmel, jeder Dunst oder Nebel ist verschwunden, es schneit nicht mehr und wir stehen nach einer fast schlaflosen Nacht endlich auf. Warum schlaflose Nacht? Erstens hat eines der beiden optisch sehr schönen Betten bei der kleinsten Bewegung nervtötende Quietschgeräusche von sich gegeben und zweitens waren die Betten mit 1,90 Meter Länge einfach zu kurz. Aber nun ist es vorbei, wir gehen zum „Continental Breakfast“ in den Frühstücksraum. Irgendwelche Kekse und Kuchen stehen herum, dazu Kaffe und Orangensaft sowie alle Sorten von  Cornflakes. Das Beste am Frühstück ist der Raum, in dem wir es zu uns nehmen. Er hat die Jahre seit 1859 genauso überstanden, wie das ganze Haus.

Wir fahren von Virginia City nach Carson City (die Stadt von Marshall Matt Dillon, ich erwähnte es glaube ich schon) und kommen dabei in die Nähe des Lake Tahoe. Der See ist sehr großer Bergsee, er liegt auf etwa 1.500 Metern Höhe und er ist ein beliebtes Wintersportgebiet. Aber auch im Sommer bietet er vor allen anderen den Anglern sehr gute Möglichkeiten, ihren Sport auszuüben. Es wimmelt hier übrigens von Anglern, denn heute beginnt die „Fishing Season“ und der halbe Westen der USA scheint auf den Beinen zu sein.

Carson City ist der tiefste Punkt unserer heutigen Rundreise. Kurz nach der Stadtgrenze geht es wieder steil bergauf. Wir queren mehrere Pässe, von denen der höchste der „Conway Summit“ mit 2.451 Metern ist. Alle Berggipfel in der Gegend sind mit Schnee bedeckt und ab etwa 1.800 Metern liegt der Schnee auch noch an den Straßenrändern. Aber die Straßen selbst sind vorbildlich geräumt. Die abwechslungsreiche Landschaft wird durch die weißen Gipfel noch schöner. Nackter karger Felsboden wechselt sich ab mit baumbestandenem leicht hügeligen Erhebungen und mittendrin wie absichtlich hinein gebaut immer wieder der eine oder andere namenlose Bergsee. Bei unseren Pausen merken wir, dass es in der Sonne überhaupt nicht kalt ist. Wir können im T-Shirt herum laufen.

Dann kommen wir zum „Mono Lake“ bei Lee Vining direkt an der „US 395 WEST“, die wir seit Carson City befahren. Besser gesagt: zunächst verlassen wir unsere „Reisehöhe“ von etwa 2.000 Metern und sehen den Mono Lake plötzlich vor uns in der Sonne liegen. Hier waren wir auch schon 2005, aber damals in der Herbstzeit. Der Mono Lake ist heute prall mit Wasser gefüllt. Er gehört zu den ältesten Seen des amerikanischen Kontinents. Die einmalige Besonderheit, die auch der Grund dafür ist, dass er zum „National Monument“ erklärt wurde, ist seine Wasserzusammensetzung, die besondere Steinformationen zustande bringt. Das Wasser ist viermal salziger als normales Seewasser. Es stammt als Schmelzwasser aus den nahen Bergen und einer unterirdischen Quelle im See selber. Das im salzigen See vorhandene Carbonat verbindet sich mit dem aus dem Quellwasser enthaltenen Kalzium zu dem wasserunlöslichen (oder wenigstens nur schwerlöslichem) Kalzium-Karbonat, aus dem sich wiederum die bis zu 13.000 Jahre alten „Mono Lake Tufa-Towers“ gebildet haben. Diese „Tufas“ sieht man überall am und im See. Besonders in den letzten Monaten des Jahres bilden sich unendlich viele „kleine“ Tufas in Ufernähe, da die Karbonat-Konzentration des Seewassers dann durch den Austrocknungsprozess  mangels neu hinzukommenden Schmelzwassers stark zunimmt (das konnten wir bei unserer ersten Reise gut beobachten). Heute aber ist der See randvoll und die sonst aus dem Wasser ragenden kleineren Tufas können, da sie nun unter der Wasseroberfläche liegen, weiter vor sich hin wachsen. Bis sie so groß sind wie ihre am Rande des Sees stehenden Kollegen haben sie ja auch noch einige tausend Jahre Zeit. Die Ausdehnung des Sees war früher größer. In 1950, so entnehmen wir Tafeln auf dem Weg zum Seeufer, war der See fast 20 Meter höher als heute. In dieser neuen Trockenzone stehen auch die größten Tufas. Der See wurde kleiner, weil die Stadt Los Angeles (von hier etwa 300 Meilen entfernt) anfing, Ihr Wasserproblem mit Grundwasserbohrungen zu beheben, die auch die Quellen des Mono Lakes beeinträchtigten. Der Wasserspiegel des Sees sank um jene 20 Meter ab und setzte die im Wasser wachsenden Tufas erst frei. Als man ihre Einzigartigkeit erkannte, änderte Los Angeles seine Wasserversorgungspolitik und der Spiegel des Mono Lake blieb auf dem heutigen Niveau erhalten. Seit der See zum „National Monument“ erklärt wurde, kann offenbar nichts mehr passieren. Denn wer einem National Monument irgendeinen Schaden zufügt, es beispielsweise verschmutzt oder irgendwie anders als erlaubt betritt, der muss mit harten Strafen rechnen. Das kann man überall auf Schildern lesen und wird vernehmlich auch sehr ernsthaft verfolgt. 

Im See kann gebadet werden und ein großartiger Schwimmer braucht man nicht zu sein, da die hohe Salzkonzentration ihr übriges dazu beiträgt. Eine Menge Wasservögel tummeln sich am und im See. Sie ernähren sich von nur hier vorkommenden kleinen dem Krill ähnlichen Krebsen, die auch nur im Mono Lake ihren Spaß haben und sonst nirgends vorkommen. So passt halt alles sehr gut zusammen.

Wir fahren weiter an Lee Vining vorbei (oder besser mitten hindurch, denn eine Umgehungsstraße gibt es nicht) und kommen schließlich in das viel tiefer gelegene „Bishop“. Dieser Ort liegt nur noch etwa 1.200 Meter hoch. Wie auf einer gigantischen Rampe sind wir in das Tal von Bishop gefahren. Hier ist es richtig warm. Bishop wiederum zeichnet sich für die Angler der USA dadurch aus, dass es an unzähligen aus den Bergen stammenden Bergflüsschen liegt, die offensichtlich von Fischen nur so wimmeln. Der Ort ist voller Angler, da die Saison, wie schon erwähnt, morgen beginnt. Deshalb bekommen wir nur schwer ein Motelzimmer. Aber es klappt wie eigentlich immer auf unseren Reisen. Wir landen im Comfort Inn und bekommen sogar noch einen Seniorenrabatt. Das Zimmer ist etwa 45 qm groß, hat eine Bar mit Theke und ein separates Bad. Aber das Beste daran sind die Betten, die nicht nur toll aussehen, sondern es auch sind. Es gibt keine Fußangeln mehr, die Bettkisten sind unten offen: freies schlafen für freie Bürger, hervorragend.

Wir marschieren die Mainstreet entlang und finden einen Chinesen. Hier essen wir zu Abend. Bishop besteht eigentlich nur aus einer vierspurigen Straße, die mitten durch den Ort verläuft. Es herrscht ein Verkehr, als ob morgen das Autofahren verboten würde. Das haben wir schon in mehreren Orten erlebt. Vor und nach den Ortsein- bzw. ausfahrten ist kaum Verkehr zu beobachten. Aber im Ort selber geht es zu wie zur Rushhour am Frankfurter Kreuz. Warum, weshalb, wieso? Keine Ahnung! Trotz allem scheint Bishop in wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu stecken. Überall stehen wieder die Schilder „For Sale“, zu verkaufen, herum. Auch können wir erst an der dritten Tankstelle mit Kreditkarte tanken. Die anderen wollten nur „cash“ haben. Na egal, wir haben den Bauch voll und das Auto den Tank. Jetzt wird noch ein bisschen am Computer geackert und dann geht es ab in die (heute wieder riesengroße) Falle.

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