22. Tag (21.04.2010) 5. Verl.Tag Big Sur – San Francisco

22. Tag (Mittwoch, 21.04.2010) 5. Verl.-Tag  Big Sur – San Francisco

Wir starten wie geplant gegen 10.00 h in Richtung San Francisco immer entlang dem Highway Number One über  „Carmel by the Sea“, „Twinlake”, “Davenport” und „St. Gregorio” und kommen bei „Scotts Valey“ wieder auf die „101 North“ in Richtung San Francisco. Es regnet eigentlich die ganze Zeit über. Wir denken schon, dass bei diesem Wetter San Francisco keinen Sinn macht und wir vorher nach links, Richtung Osten, abbiegen sollten. Aber kurz vor der Stadtgrenze, wir sehen rechts schon den Flughafen, hört es auf zu regnen und die Sonne scheint sogar. Also fahren wir wie geplant in die „Lombard Avenue“ zu unserem alten Motel „Travel Lodge“. Dank Garmin-GPS finden wir den richtigen Weg, als ob wir hier wohnen würden. Die „Lombard Avenue“ ist die zentrale Motelmeile in Frisco und gleichzeitig auch bekannt durch die Fernsehserie „Die Straßen von San Francisco“ mit Michael Douglas (den Älteren sicher bekannt, die Jüngeren werden sich nur an die Frau von Michael Douglas, an die ich mich jetzt nicht errinnere, erinnern). Das besondere an der Lombard Avenue ist ein nur kurzer Teil direkt auf dem Kamm der Straße, der sich in eng gewundenen Schlangenlinien nach unten windet. Die Lombard Avenue selber führt nahezu parallel zur San Francisco-Bucht durch die ganze Stadt (von fast der Golden Gate Bridge bis zur weiter östlichen Bay-Bridge (die zweistöckig zu befahren ist und San Francisco mit Oakland verbindet).

Zum ersten Mal schalte ich in einem Motel den Fernsehapparat an und lande prompt beim Champion-League-Spiel Bayern München gegen Lyon. Es ist die 74. Minute und es steht 1 : 0 für die Bayern. Das Spiel wird Live auf einem Sportkanal in ganz Amerika gesendet. Interessant ist die amerikanische Aussprache der deutschen Spieler. Besonders Schweinsteiger und Lahm haben es dem Sprecher angetan. Er versucht, die Namen deutsch auszusprechen, was ihm hörbar Schwierigkeiten bereitet, aber er ist offensichtlich Bayern-Fan, was wiederum uns erfreut. Wir schauen uns das Spiel zu Ende an und marschieren dann in Richtung San Francisco Bay.

Wir wollen auf die alte Gefängnisinsel „Alcatraz“, die direkt in der Frisco-Bay liegt. Zunächst kommen wir aber an der berühmten „Pier 39“ vorbei. Hier gibt es alles, was das Herz begehrt. Heute ist wenig los und wir können uns die verschiedenen Sehenswürdigkeiten in Ruhe anschauen. Die berühmteste Attraktion sind die Seelöwen, die sich direkt vor unserer Nase auf extra für sie aufgebauten Schwimmstegen sonnen. Es sind fast Hundert, die unter lautem Gebrüll die Besucher erfreuen. Man schaut von hier aus nicht nur auf die Seelöwen, sondern sieht im Hintergrund die majestätische Golden Gate Brücke. Wir haben wieder Glück und sehen die Golden Gate in ihrer ganzen Pracht. Gewöhnlich ist die Bucht mit Nebelschwaden verhüllt und nur die Spitzen der Brücke erscheinen wie aus dem Nichts aus den Wolken. Auch dieser Anblick ist imponierend. Aber eben am Schönsten ist die Brücke natürlich, wenn man sie vollständig sehen kann und das ist heute wieder der Fall.

Dann marschieren wir weiter zur „Pier 33“. Von hier aus starten die Schiffe nach „Alcatraz“, der alten Gefängnisinsel. In Alcatraz waren viele amerikanische Superverbrecher untergebracht. Al Capone (1934 bis 1939) gehörte dazu, aber auch der Vogelkundler Robert Stroud (1942 bis 1959). Weitere Berühmtheiten sind Machine-Gun Kelly (1934 – 1951) und Alvin “Creepy” Karpis (1936 – 1962). „When you work against the rules, you got to prison. When you work against the prison rules, you got to Alcatraz.” Das wurde den Gefangenen, die nicht mehr mit Namen, sondern nur noch mit Nummern angesprochen wurden, immer wieder eingebläut. Das Gefängnis galt in den Jahren von 1934 bis 1963 als der härteste Knast Amerikas. Wer hier herkam hatte keine Chance auszubrechen.

Während Al Capone bereits an beginnendem Schwachsinn aufgrund seiner Syphilis-Erkrankung litt und von niemandem mehr ernst genommen wurde, galt „Creepy“ Karpis als äußerst gefährlich. Er hat im Knast selber angeblich noch mindestens fünf Mitgefangene umgebracht, was ihm aber niemals nachgewiesen werden konnte. „Creepy“ bedeutet übrigens Schleicher. „Creepy“ Karpis war überall und nirgends. Anders, aber noch gefährlicher Robert Stroud. Er kam als mordender Entführer nach Alcatraz und verbrachte die ersten Jahre seiner Gefangenschaft in dauernder Isolierhaft im Bunker des Gefängnisses, dem schlimmsten und unter den Gefangenen berüchtigsten Teil von Alcatraz. Hier gab es keinen Ausgang und keine Arbeit. Die Gefangenen hielten sich nur in ihrer Zelle auf und hatten keinerlei Kontakt zu ihren Mitgefangenen. Erst nach Jahren in diesem Gefängnisteil „beruhigte“ sich Stroud und wurde in den normalen Trakt verlegt. Erstaunlicherweise entwickelte er sich dann zu einem überall in der Welt anerkannten Vogelkundler. Ein Film über ihn mit Burt Lancaster dokumentiert eindrucksvoll sein Leben. Stroud wurde nie entlassen und starb in Alcatraz. Den einzigen gelungenen Fluchtversuch von Alcatraz dokumentiert ein Film mit Clint Eastwood. Drei Gefangenen gelang die Flucht, indem sie Löcher in die Innenwände ihrer Zellen bohrten und durch die Versorgungsschächte entkommen konnten. Sie wurden nie aufgespürt. Entweder sind sie in den kalten Wassern der San Francisco Bay ertrunken oder ihnen ist die Flucht tatsächlich gelungen. Jedenfalls stehen sie noch heute auf den Fahndungslisten des FBI.

Der Felsen selber wurde 1775 entdeckt und 1846 von dem Gouverneur Kaliforniens für die USA für $ 5.000,– den Mexikanern abgekauft. 1852 wurde ein Leuchtturm gebaut. Von 1853 bis 1859 bestand auf Alcatraz ein Kriegsgefangenenlager. Ab 1861 bis 1903 wurde der Fels als Gefängnis genutzt. Die damals errichteten Gebäude verfielen derart, dass das Gefängnis geschlossen werden musste. 1906 bis 1911 erbaute man das Gefängnis neu. 1933 begann der Umbau zu einem Bundesgefängnis, der 1934 abgeschlossen war. Im selben Jahr trafen die ersten Gefangenen ein. Bis 1963 galt Alcatraz schließlich als Hochsicherheitsgefängnis. Insgesamt gab es 14 Fluchtversuche, die bis auf einen (den im Film mit Clint Eastwood) alle gescheitert sind. Das Gefängnis wurde 1963 geschlossen und die restlichen Gefangenen verlegt. Es war nicht mehr zeitgemäß und außerdem immer teurer in der Unterhaltung. Heute verfällt es zusehends, weil die raue Seeluft doch an den Gemäuern unerbittlich nagt.

Tief beeindruckt waren wir von der Größe der einzelnen Zellen. Sie sind unglaublich klein: 2,70 Meter lang und 1,50 Meter breit. An der hinteren Wand befindet sich eine Toilette und ein Waschbecken, vor der Toilette ein Bett und an der dem Bett gegenüberliegenden Seite ein Wandklappstuhl mit einem Wandklapptisch. Das ist alles. Die Gefangenen besaßen keinerlei persönliche Gegenstände. Sie hielten sich tagsüber im Gang vor ihren Zellen auf, konnten aber jederzeit wieder eingesperrt werden. Um 21.30 h wurde das Licht ausgeschaltet und um 7.00 h ging es wieder an. Wer sich gut führte, wurde in der Gefängniswäscherei beschäftigt und hatte als weiteres Privileg eine Stunde Hofausgang am Tag. Renitente Gefangene kamen für einige Zeit in Isolierhaft (dann gab es gar nichts mehr, siehe Stroud) oder sogar in den Bunker (Zelle ohne Bett, Tisch und Stuhl, nur eine Toilette, aber kein Licht, völlige Dunkelheit). Direkt neben dem Gefängnisbau wohnten die Wärter und der Direktor mit ihren Familien. Sie hatten einen wunderschönen Ausblick auf das nahe San Francisco. Geht man um den Gefängnistrakt herum, glaubt man kaum, dass hier die schwersten Jungs ganz Amerikas einsaßen. Alcatraz ist schon eine imponierende und beeindruckende Sache.

Gegen 17.00 h verlassen wir die Insel wieder und werden mit dem Boot zurück zur Pier 33 gebracht. Wir gehen durch die Straßen von San Francisco zurück in unsere Lombard Avenue, marschieren dabei durch die berühmten Schlangenlinien der Straße und essen bei einem Chinesen mit Stäbchen. Der Kerl hat überhaupt keine Essbestecke in seinem Küchenkasten. Mit viel Geschlürfe und Gekleckere bekommen wir aber alles dorthinein, wo es hinein soll und ziehen uns schließlich müde in unsere Travel Lodge zurück.

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