21. Tag (Dienstag, 20.04.2010) 4. Ver.-Tag Redondo bis Big Sur

21. Tag (20.04.2010) 4. Verl.-Tag  Redondo Beach – St. Barbara – Hearst Castle – Big Sur

Wir fahren gegen 10.00 h aus Redondo Beach ab in Richtung Norden. Schnell lassen wir Los Angeles hinter uns und kommen auf den Highway 101 N in Richtung San Francisco. Wir wollen hinter Stanta Barbara auf den berühmten Highway Number 1 kommen, der als einer, wenn nicht gar der, schönste Highway der USA bezeichnet wird. Er führt direkt an der Pazifikküste entlang bis fast nach Oregon hinein. Ihn sind wir schon einmal ab St. Simeon gefahren, damals, als wir unsere zweite USA-Tour von San Francisco aus unternommen haben (Oktober 2004). Im Städtchen „Morro Bay“ verlassen wir die 101 und biegen auf den Highway Number 1 ab. Wir sind jetzt keine 100 Meter von der Pazifikküste entfernt und uns bietet sich ein atemberaubender Anblick. Auf der linken Seite befindet sich der recht stürmische „Stille Ozean“ (es sind viele Skytesurfer unterwegs. Das sind Surfer, die ein Segel ähnlich einem Starkwindflugdrachen an einer langen Leine händeln und damit in schnellem Tempo gekonnt über die Wellen gleiten) und rechts hat man eine Voralpenlandschaft mit saftigen Wiesen, leicht geschwungenen Berghängen und grasenden Kühen vor sich. Dazu Sonnenschein und blauen Himmel und man versteht, warum Gott Amerika an allen Ecken und Enden „blessen“ soll oder eben einfach nur ein wenig mehr „blessen“ soll, als all‘ die anderen (den Ausspruch: „God bless Amerika“ = Gott schütze Amerika findet man in dieser Gegend als Aufkleber fast an jedem Auto und auf vielen größeren Tafeln am Straßenrand). Mit diesem Bild vor Augen (oder besser: vor der Windschutzscheibe) fahren weiter cruisend (unser Auto hat natürlich einen Tempomat) dahin. Der Fahrer fährt und der Beifahrer fotografiert, das ist heute die Aufgabe. Die Landschaft wird immer lieblicher, einfach faszinierend. Schließlich kommen wir am „Hearst Castle“ in San Simeon vorbei und beschließen, es zu besuchen und zu besichtigen.

Hier waren wir auch schon bei unserer zweiten Reise, haben das Castle aber damals nicht besucht. Es liegt etwa 1.800 Meter hoch und ca. 5 Meilen von der Küstenstraße entfernt in den Bergen. Gebaut hat es William Randolph Hearst (1863 – 1951). Hearst schuf eines der größten Publikations- und Medienimperien der vereinigten Staaten. Auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn gehörten ihm sechsundzwanzig Zeitungen, dreizehn im gesamten Bundesgebiet der USA vertriebene Magazine, acht Radiostationen und viele damit verbundene Nachrichtendienste. Darüber hinaus produzierte er Wochenschauen und nahezu einhundert Spielfilme (viele mit Errol Flynn und Garry Cooper). Er war der Medientycoon schlechthin und unglaublich reich. Sein ganzes Leben lang sammelte er Antiquitäten und Kunstwerke aus der ganzen Welt. Ihm kam es dabei nicht auf irgendeine besondere Stilrichtung an, nein, er sammelte einfach alles, was ihm gefiel. Von 1919 an bis zur endgültigen Fertigstellung in 1947 baute er an seinem „Hearst Castle“, um hier alle seine gesammelten Schätze unterzubringen und zu präsentieren. Das Anwesen diente ihm als Wohnsitz, wobei seine Sammlungen in den allgemeinen Wohn- und Nutzungsgebrauch integriert wurden. Hearst lebte hier 33 Jahre lang mit seiner Freundin, weil seine Frau Millicent, wie uns der Fremdenführer erzählte, ihn zwar liebte, nicht aber seine Sammelleidenschaft. Sie konnte mit dem Hearst-Castle nichts anfangen und lebte in New York und zwar nahezu während ihrer gesamten Ehe mit William Randolph. Den Eheleuten Hearst gelang es aber trotzdem, immerhin fünf Söhne in die Welt zu setzen.

Jeder Kunstliebhaber und jeder, der auch nur ein bisschen von Kunst versteht, wird die Hände über dem Kopf zusammenschlagen, wenn er das Sammelsurium des Hearst Castle betrachtet. Es sind alle Stilrichtungen, die vorstellbar sind, vorhanden und nebeneinander verbaut. Das Hauptwohnhaus namens „Casa Grande“ sieht aus wie eine Kirche, jedenfalls könnte man das auf den ersten Blick meinen. Die Eingangstür ist ein Kirchenportal, als Apostelfiguren figurieren jedoch zwei spanische Conquestadores unterstützt von mehreren griechischen Schönheiten. Über dem Portal befindet sich eine maurische Empore mit neuzeitlichem Balkon. In der Firstspitze wiederum ist eine Madonnenfigur untergebracht. Die Seitenwände des Haupthauses sind dem Dogenpalast in Venedig nachempfunden. Man steht davor und denkt, irgendwie kenne ich diese Front, man kann aber nichts so richtig in Einklang mit seinen geistigen Bildern bringen. Dann kommt der Fremdenführer mit obskuren Erklärungen daher und berichtet tatsächlich, der Dogenpalast in Venedig hätte bei der Fassade Pate gestanden (der Typ erzählt das aber so, als ob man sich beim Bau des Dogenpalastes in Venedig vorher bei William R. Hearst erkundigt hätte). Jetzt weiß man nicht mehr, ob man laut los brüllen soll oder lieber still genießt und die Klappe hält. Im Inneren geht es im gleichen Stil weiter. Die Innenwände des Essraumes sind rundherum mit altem Kirchengestühl aus Italien versehen, in einem Rittersaal steht alles herum, was ein Ahnungsloser unter einem Rittersaal versteht. Dennoch fasziniert das Hearst Castle. William Randolph Hearst hat einfach gemacht, was er wollte und was ihm gefiel. Es ist erkennbar, dass hier ein Mann seinen Lebenstraum verwirklicht hat, ganz egal, was andere davon denken mochten. Ein echter Exzentriker, dieser William Randolph und noch dazu ein äußerst erfolgreicher. Der Besuch des Hearst Castle hat sich gelohnt. Jeder, der hier vorbeikommt, sollte die $ 24,00 Eintrittsgeld bezahlen und sich den Laden anschauen. Seinen Kunstverstand, wenn er denn überhaupt einen hat, wird er sicher nicht verlieren. Das betrifft aber im Wesentlichen nur die Europäer, die vielleicht schon das eine oder andere Original gesehen haben. Für die überwiegend amerikanischen Besucher scheint es anders zu sein, wie wir an der etwa 50 Personen großen Gruppe gesehen haben. Jeder war begeistert, alle fanden es „marvelous“ und „great“. Wir am Ende übrigens auch.

Weiter ging es dann die immer schöner werdende Pazifikküste entlang bis zum „Big Sur“.  Der „Big Sur“ ist die schönste Ecke dieses Teils der Pazifikküste. Hier werden beispielsweise von allen  deutschen Autokonzernen regelmäßig Werbeaufnahmen ihrer neuen Modelle gemacht. Jeder hat die Straßenführung des „Big Sur“ schon einmal mit einem Mercedes, einem Audi A8 oder einem anderen tollen Fahrzeug gesehen. In diesem Gebiet gibt es aber auch eine einzigartige Flora und Fauna. So ist der „Big Sur“ die Kinderstube der seltenen Narwale (die mit dem Einhorn auf der Birne) und auch spezielle Quallenarten werden hier (warum auch immer) wissenschaftlich erforscht.

Wir suchen uns schließlich ein Motel und landen im „Big Sur River Inn“. Beim Schreiben dieser  letzten Zeilen gibt es einen Donnerschlag und der Strom fällt aus. Deshalb ist jetzt Schluss mit dem Geschreibsel. Wir gehen ins Bett und machen Morgen weiter. Als wir endlich im Bett liegen, in totaler Finsternis ist das gar nicht so einfach, geht das Licht wieder an. Aber nun machen wir es selber aus und schlafen ein.

Am nächsten Morgen gehen wir über die Straße ins Frühstückslokal, nehmen die Computer mit und bekommen hier einen sehr guten Empfang, so dass wir die Berichte und Bilder ins Netz stellen können. Dabei frühstücken wir. Na also, geht doch.

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