15. Tag (Mittwoch, 14.04.2010) Sonoita – Blyth

15. Tag (Mittwoch, 14.04.2010) Sonoita (Arizona) – Blyth (Kalifornien)

Um 7.30 h serviert uns Cherryl Rogos gemeinsam mit ihrem Mann Ron wieder ein Hacienda-Frühstück (dürrer Kaffee, wie gehabt, Fruchtsalat mit Jogurt, wie gehabt, Orangensaft, komische gebratene Wurst, in der scheinbar alles vorhanden war, was irgendwie reinpasste und Auflaufkuchen). Großzügigerweise durften wir die beiden übrig gebliebenen Auflaufkuchenstücke mitnehmen. Mit großem Bohey wurden wir verabschiedet und aufgefordert, bei unserem nächsten Besuch in der Gegend auf jeden Fall vorbeizuschauen. Das muss man nicht besonders ernst nehmen, das machen alle Amerikaner so, wenn man dann aber tatsächlich erscheint, wird man nur unverständlich angesehen. Aber vielleicht haben sie es ja auch so gemeint, wie sie es gesagt haben. Die Illusion war jedenfalls perfekt. Ich will den beiden aber an dieser Stelle nicht unrecht antun, sie waren wirklich sehr nett und zuvorkommend. Allerdings haben sie nie die Betten gemacht und unser Zimmer aufgeräumt. Für $ 109,00 pro Nacht hatten wir das jedenfalls erwartet.

Um 10.00 h starten wir in Richtung „WEST“. Das ist ziemlich einfach, es gibt nur eine einzige Straße aus dem Kaff heraus. Unsere Hacienda war zwar vom Feinsten, aber auch zu verkaufen. Ron und Cherryl wollen nach Washington State umziehen. Ihr Anwesen soll etwa  $ 1,5 Millionen bringen. Verkaufen wollen aber, so scheint es jedenfalls, fast alle in der Gegend ebenfalls. Überall stehen Schilder mit „for sale by owner“ herum.  Sonoita ist nach etwa 15 Meilen Fahrt zu Ende, auch die „For Sale“-Schilder hören auf. Genau am Ortsausgang hält uns die „Border Police“ an und kontrolliert, ob wir nicht einen eingeschmuggelten Mexikaner an Bord haben. Die mexikanische Grenze ist nur ein paar Meilen entfernt und ziemlich gut mit einem drei Meter hohen Zaun abgesichert (und zwar von Kaliforniens Pazifikküste bis weit nach New Mexiko hinein). Darüber hinaus wird ständig patrouilliert und überwacht und auf allen Ausfallstraßen sind immer wieder Sperren der Border Police eingerichtet, die noch einmal extra jeden Wagen und jedes Motorrad einzeln in Augenschein nimmt.

5 Meilen später ist eine Baustelle. Am Anfang der Baustelle steht eine Frau und hält ein Stopp-Schild in die Höhe. Sie steht da wie angewurzelt und würdigt uns zunächst keines Blickes. Als wir sie fotografieren, lächelt sie jedoch. Wir warten 10 Minuten auf ein Fahrzeug, das uns durch die Baustelle geleiten soll. Als dieses Fahrzeug endlich kommt, dreht die Dame das Schild um und wir lesen: „Slow, follow the pilot car!“. An der Rückseite des Autos steht nur „FOLLOW ME“. Wir fahren hinterher, etwa 3 Meilen weit, dann biegt der „Pilot Car“ ab und wir können ungehindert weiterfahren. Am Ende der Baustelle steht auf der anderen Seite ebenfalls eine Dame mit dem gleichen Schild für den Gegenverkehr. Eine Ampel wie bei uns würde glatt weg wenigstens drei Arbeitsplätze vernichten, im Drei-Schichtbetrieb sogar wenigstens 9.

Die Fahrt geht weiter durch unendliche Weiten. Die Strecke ist nicht besonders ansprechend, aber wir müssen bis morgen Abend in Los Angeles sein. Heute und morgen sind die eher öden Tage unserer Reise. Lediglich vor der Grenze von Arizona zu Kaliforniern wird die Landschaft etwas ansprechender. Überall stehen plötzlich große „Organ Pipe“-Kakteen herum. Einzelne können über 20 Meter hoch werden. Aber sonst fahren wir auf der Autobahn „I 10 West“ (das I steht für Interstate) immer nur geradeaus. In „Phoenix“, der Hauptstadt von Arizona wird es augenblicklich voller. Die vormals dreispurige Autobahn wird plötzlich zur vollen 7-spurigen Piste. Aber das dauert auch nur ungefähr 40 Minuten (oder rund 25 Meilen), dann ist der Spuk wieder vorbei und die Geradeausfahrerei geht weiter. Schließlich kommen wir in „Blyth“ an. „Blyth“ liegt genau an der Grenze zwischen Arizona und Kalifornien, exakt am Grenzfluss „Colorado“. Wunderbar, den haben wir ja schon gesehen: Der Colorado wird sich weiter durch Kalifornien schlängeln und dann irgendwo zwischen San Diego und Los Angeles in den Pazifik münden.

Unser Motel in Blyth nennt sich „Knights Inn“ und wird von einer indischen Familie betrieben. Es hat natürlich Internet, einen Swimming Pool und zwei riesige Betten. Es ist sehr warm hier, wie im übrigen schon auf der ganzen heutigen (langweiligen) Fahrt. Wir haben in der Spitze fast 30 Grad C. erreicht.  Wir werden jetzt zum Abendessen abziehen, in einer Tankstelle ein paar Bier kaufen und die dann wegputzen, schließlich in unsere King-Size-Betten fallen (jedes einzelne 2 x 2 Meter) und morgen in der Frühe nach Los Angeles aufbrechen.

Wirklich Aufregendes haben wir heute nicht erlebt, sieht man einmal von der Border Police Kontrolle ab (die haben wir auch vor Tombstone erlebt, aber keiner von den Policemen hat ernsthaft vermutet, dass wir einen Mexikaner in unseren Mopedtaschen einschmuggeln wollten), der Baustelle an der Straße und der vor der Grenze zu Kalifornien erfolgten Lebensmittelverbotseinfuhrkontrolle ab. Ach ja, wir haben auch noch im moteleigenen Pool gebadet.

Kommentare sind geschlossen.