25. Tag (Samstag, 24.04.2010) 8. Verl.-Tag Bishop – Death Valley – Beatty
Heute beginnt die Fishing-Saison und unser Comfort Inn in Bishop wimmelt nur so von heißen Anglern, die nur darauf warten, ihre Ruten endlich wieder ins Wasser werfen zu können. Frühstückszeit ist von 6 bis 9 Uhr. Deshalb stehen wir heute früher auf, weil wir auch noch etwas vom Frühstücksbuffet im Comfort Inn haben wollen. Als wir um 7 Uhr beim Frühstücksbuffet erscheinen, sind alle Angler schon fort, aber es gibt auch noch etwas zu essen. Frühstück und Abfahrt sind in einer Stunde erledigt, so dass wir gegen 8 Uhr auf der Piste sind.
Wir fahren die US-395 South bis Big Pine und biegen noch vor der Ortseinfahrt nach links in Richtung Death Valley ab (auf die US 168 für alle, die es nachfahren wollen). Nach nur zwei Meilen gibt es einen weiteren Abzweig in Richtung „Scottys Castle“, den wir nehmen. Unser Navi spielt verrückt, es kennt zwar die Straße, meint aber gleichzeitig, sich auf einem besseren Feldweg zu befinden und beordert uns ständig zurück. Wir fahren dennoch weiter, denn die Straße ist einwandfrei. Wir kommen durch eine großartige felsige Landschaft und erreichen schnell den nördlichen Ausläufer des Death Valley. Plötzlich tauchen wieder Joshua-Trees am Straßenrand auf. Die Joshuas wachsen offensichtlich ab einer Höhe von ca. 2000 Metern. Wir kommen noch höher (bis ca. 2300 Meter) und werden von Joshuas begleitet. Als wir dann wieder in tiefere Regionen stoßen, sind die Joshuas genau so plötzlich wie sie aufgetaucht sind wieder verschwunden. Genau wie die Joshuas ist auch plötzlich die Straße verschwunden. Ein kleines Schild mit der Aufschrift „Pavement ends“ weist uns kurz darauf hin. Wir nehmen es kaum ernst, merken aber schnell, was es bedeutet. Wir fahren etwa 70 km über eine unbefestigte Straße mitten durch das Death Valley. Wenn wir bislang keine Death- Valley-Gefühl entwickelt haben, dann aber jetzt. Wir brauchen fast drei Stunden für die Strecke und haben ständig Angst, dass uns ein Reifen (oder gr zwei) platzt. Unser Nissan ist für so etwas nun überhaupt nicht ausgelegt. Uns überholen ständig geländegängige Fahrzeuge, deren Insassen uns zwar freundlich zuwinken, deren Gesichter aber eindeutig kundtun, dass wir nicht alle Tassen im Schrank haben. Aber wir kommen durch, zurück können wir sowieso nicht mehr.
Unser Ziel ist „Ubehebe-Krater“ (die „e“ werden wie „i“ ausgesprochen). Den wollten wir schon mit den Mopeds besuchen, kamen aber damals nicht hin, weil wir einfach zu spät dran waren und damals in Furnace Creek keine Unterkunft bekamen („sorry, we are sold out“, der aufmerksame Leser wird sich sicher noch erinnern). Genau 6 km vor dem Ubehebe kommen wir auf eine nagelneue befestigte Straße zurück, die uns direkt zum Krater führt.
Wir haben von diesem Krater aus dem Internet bei unserer Tourenplanung erfahren. Kein Wegweiser führte uns jemals dorthin bzw. wies daraufhin, dass es ihn überhaupt gibt. Der Krater ist etwa 6000 bis 7000 Jahre alt, wie geologische Untersuchungen ergaben. Er entstand durch heißes Magma, das plötzlich an die Erdoberfläche vordrang und explosionsartig verdampfte. Der Krater ist etwa 230 Meter tief und hat einen Durchmesser von etwa 1 km. Ubehebe ist ein indianisches Wort und bedeutet „Großer Korb im Fels“ und genau so sieht der Krater auch aus. Wir sind die einzigen Besucher des Ubehebe und genießen den Anblick. Eine kleine Wanderung führt uns um den halben Kraterrand herum zum „Little Ubehebe“. Obwohl es sehr heiß ist schwitzen wir kaum. Das ist typisch für das Death Valley und macht es so gefährlich. Die Luftfeuchtigkeit liegt annähernd bei Null Prozent. Jede Feuchtigkeit wird gleichsam von der „ausgetrockneten“ Luft sofort aufgenommen und verschwindet. Da der Mensch jedoch sehr viel Flüssigkeit mit seiner Atemluft ausatmet und das natürlich nicht merkt, merkt er auch nicht, dass er immer mehr austrocknet (jedenfalls, wenn er sich im Death Valley befindet). Aus diesem Grunde ist das Death Valley in der Zeit von Mai/Juni bis etwa September auch für Motorradfahrer gesperrt. Die armen Mopedfritzen können nämlich während der Fahrt durchs Valley kaum trinken, schwitzen in der Hitze ohne dass sie es merken fürchterlich und würden am Ende des Valleys wahrscheinlich ausgetrocknet vom Moped fallen. Da wir jedes Mal außerhalb dieser Dead-End-Zeit da waren, konnten wir es mit den Harleys durchfahren, sind nicht ausgetrocknet, haben aber auch niemals im Valley geschwitzt.
Als wir den Ubehebe ausführlich begutachtet und erwandert haben freuen wir uns sehr auf unser klimaautomatisches Auto. Wir fahren weiter zum etwa 10 km entfernten „Scotty’s Castle“. Auch das haben wir bei unseren ersten beiden Besuchen im Death Valley nicht gesehen. Heute ist es endlich soweit. Gegen 13.30 h sind wir da. Das Castle ist eine Hacienda mitten in der Wüste am nordwestlichen Rand des Death Valley. Seinen Namen verdankt es einem gewissen Walter Scott, der mit dem berühmten Buffalo Bill Cody herumgezogen ist. Bill Cody, genannt „Buffalo Bill“ war am Ende seiner Kariere mit einer Wild-West-Show unterwegs und lebte von seinem Mythos. Er lernte auf seiner Tour den mittelosen Walter Scott kennen, der bereits mit 11 Jahren von zuhause weggelaufen war, um bei seinen älteren Brüdern zu leben. Walter Scott entwickelte sich zu einem begnadeten Geschichtenerzähler. Mit zwei Guldnuggets in der Tasche suchte er reiche Geschäftsleute auf und erzählte ihnen von seiner Goldmine im Death Valley. Der reiche Geschäftsmann Albert Mussi Johnson fiel auf seine Geschichten herein und gab ihm eine Anleihe von $ 40.000,00, die Walter Scott sofort auf den Kopf haute. Er fiel besonders durch hohe Trinkgeldgaben auf und erwarb sich so schnell den Ruf unermesslich reich zu sein. Immer wieder pumpte er Albert Johnson um Geld an, erhielt es, haute es auf den Kopf und fing wieder von vorne an. Als Johnson die Goldmine im Death Valley sehen wollte, tischte im Scott immer wieder haarsträubende Geschichten auf, die einen Besuch verhinderten. Aber 1904 ließ sich Johnson nicht mehr vertrösten und tauchte im Death Valley auf. Die Gegend um das heutige Castle gefiel ihm, nutzte auch seiner angeschlagenen Gesundheit und er erbaute hier das heutige Scotty’s Castle. Ihm gefielen auch die Geschichten des inzwischen zum Freund gewordenen Walter Scott. Auch konnte er die Bekanntheit seines Freundes zu seinem eigenen geschäftlichen Vorteil bei diversen Projekten ausnutzen. Johnson verlor jedoch bei diversen geschäftlichen Transaktionen sein gesamtes Vermögen und musste das für mehr als 2 Millionen Dollar erbaute Castle schließlich dem Kalifornischen Staat vermachen, der daraus schließlich ein Nationales Monument machte. Bekannt wurde und ist das ehemalige Johnson-Anwesen jedoch immer als „Scotty’s Castle“ gewesen. Heute besuchen es etwa 100.000 Besucher jährlich und fast jeder davon zahlt die $ 11,– Eintritt für die Besichtigung des Anwesens.
Das Castle war seiner Zeit weit voraus. Es generierte aus einer Zisterne, die nicht nur der Frischwasserversorgung des Anwesens diente, mittels Wasserkraft Strom. Es war komplett elektrisch ausgerüstet und das bereits ab 1925. Johnson starb vor Scott, der das Castle bis zu seinem Tod in 1954 bewohnte. Dann wurde es endgültig zu „Scotty’s Castle“ dem nationalen Monument im Death Valley (das selber auch ein nationales Monument ist). Sein Grab fand Walter Scott auf einer Erhebung oberhalb des Castles. Seither blickt er auf das hinab, was ihm nie gehörte, aber von Anfang an seinen Namen trug.
Wir fahren schließlich am östlichen Rand aus dem Death Valley hinaus und gelangen über die US-267 WEST auf die US-395 SOUTH (Scotty’s-Junction) wieder nach Beatty, der ersten größeren Spielerstadt in Nevada, wenn man aus Kalifornien kommt. Im Motel 6 übernachten wir wieder (wie schon zu Anfang der Fahrt, damals noch mit den Mopeds). Um die Ecke ist das „Stagecoach-Hotel“, in dem wir einen Hamburger nehmen und dann anfangen (letztmalig) zu spielen. Wir sind jedoch viel schlauer geworden und das geht so: wer am Spielautomaten spielt, kann umsonst trinken, was er möchte. Kaum sitzen wir am „1-Cent-Banditen“ werden wir auch schon nach unserem Getränkewunsch gefragt. Wir ordern ein Budweiser und bekommen es auf der Stelle. Kaum haben wir das Bier, lassen wir uns den Einsatz am Automaten per Gutschein gutschreiben. Nach dem Genuss des Hopfengesöffs fangen wir wieder an zu spielen und ordern ein neues Bier und so weiter und so fort. Nach drei Bieren haben wir genug, verspielen endgültig unseren Dollar und gehen heim. Ergebnis: drei Bier für einen Dollar, kein schlechter Deal. Aber merke: der Spielautomat muss laufen, nur dann bekommt man etwas. Also schnell bestellen, wenig spielen und nach Getränkeerhalt sofort aufhören, nur noch saufen.